FUNDMÜNZBEARBEITUNG

Seit rund zweieinhalb Jahren werden im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) in Hannover die antiken Fundmünzen aus Niedersachsen von Ulrich Werz bearbeitet.

Ensemble von Fundmünzen der römischen Kaiserzeit (Foto: U. Werz).

Bei Fundmünzen ist der Fundort bekannt und im günstigen Fall ein archäologischer Kontext gegeben. Daher müssen bei der Fundmünzaufnahme Angaben zum Fundort und zum archäologischen Kontext zusammen mit der Münze vorgelegt werden. Dadurch wird die Münze zu einem archäologischen Objekt, welches als gleichrangige Quelle neben der Keramik oder anderen Gattungen steht. Fundmünzen sind in der Regel schlecht erhalten, so können nur etwa 50% der Münzen genau bestimmt werden. Demgegenüber sind Sammlungsmünzen durchweg in gutem Zustand, sollen sie doch die Bedeutung der eigenen Sammlung unterstreichen.

Im Jahre 1988 legten Frank Berger und Christian Stoess die antiken Fundmünzen aus Niedersachsen und Bremen in zwei Bänden in der Reihe Fundmünzen römischen Zeit in Deutschland vor. Die Neufunde bis zum Jahr 2006 wurden von Frank Berger und Friedhelm Wulf in Beiheft 12 der Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte veröffentlicht. Danach kam die systematische und flächendeckende Bearbeitung der Fundmünzen weitgehend zum Stillstand.

Publikation antiker Fundmünzen aus Niedersachsen.

Mit den Sondengängerschulungen, die in Hannover seit Anfang des Jahres durchgeführt werden, ist dann auch die Zahl der gefundenen Münzen deutlich angestiegen. Die Aufgabe von Ulrich Werz besteht nun in erster Linie darin, im NLD Strukturen für eine Erfassung antiker Fundmünzen aufzubauen. Um die Bestände an archäologischen Objekten, wozu die Fundmünzen gehören, wissenschaftlich zu erschließen und damit für die Nutzung durch Dritte zugänglich zu machen, müssen die einzelnen Objektgattungen unterschiedlich beschrieben werden. Gefässe, Möbel oder Waffen verlangen andere Beschreibungskriterien als etwa Münzen und Medaillen. Daher müssen unterschiedliche modulare Fachdatenbanken Verwendung finden.

Digitalisierung ist zur Mode geworden, und selbstverständlich werden die digitalisierten Objekte in einer Datenbank erfasst. Entscheidend ist aber nicht deren Digitalisierung, sondern deren Erschließung. Nutzen z.B. verschieden Museen ein gemeinsames Datenbanksystem für ihre Münzen, so müssen die Münzen von jeder Institution auf die gleiche Art beschreiben werden, d.h. es muss eine einheitliche Beschlagwortung vorhanden sein. Nur so können Suchanfragen, über alle eingegebenen Sammlungen hinweg, erfolgreich ausgeführt werden.

Suche ich nach Münzen eines bestimmten Prägeherrn, so müssen die verschiedenen Namensgebungen berücksichtigt werden. Augustus, der erste römische Kaiser, wird auch „Caius Iulius Caesar“ oder „Octavianus“ genannt. Erweitere ich meine Suche um Datenbanken in französischer oder italienischer Sprache müssen die Namensbezeichnungen „Auguste“ oder „Augusto“ ebenfalls miteinbezogen werden.

Augustus der erste römische Kaiser hat den Normdatensatz http://d-nb.info/gnd/118505122 (Foto: Wikipedia).

Heute erfolgt daher die Erschließung der Datensätze mit Hilfe von Normdatensätzen, die weltweit einheitlich sind. Mit Hilfe eines Normdatensatzes ist eine Person eindeutig identifizierbar, gleich ob sie mehrere Namen hat oder einen Namen trägt, der auch von anderen Menschen getragen wird. Ein Normdatensatz zu einer Person enthält daher unter anderem dessen normierte Vorzugsbenennung und die davon abweichenden Namensformen. Die Normdatensätze für Personen sind Teile der „Gemeinsamen Normdatei (GND)„, die von der Deutschen Nationalbibliothek und in Kooperation mit anderen Institutionen geführt wird. Diese Normdaten, basieren auf lokalen, nationalen und internationalen Normdatenquellen und verlinken auf diese. Normdatensätze werden auch von anderen Institutionen und Nationalbibliotheken zur Verfügung gestellt. Jeder Normdatensatz trägt eine eigene Identifikationsnummer. Durch die Identifikationsnummer wird sichergestellt, dass ein Normdatensatz nur einer einzigen Person zugeordnet werden kann. Die Person des ersten römischen Kaisers wird von der GND mit dem Datensatz http://d-nb.info/gnd/118505122 bezeichnet. Neben den verschiedenen Namensnennungen sind in dem Normdatensatz noch Angaben zum Lebensalter, Geburts- und Sterbeort gemacht. Wichtig ist hier die Angabe der Quellen, aus denen diese Normdatensätze gewonnen wurden. Neben den Normdatensätzen für Personen, gibt es noch weitere, etwa für Geographica.

Schema der Linked Open Data (Abbildung: Wikipedia).

Die Verbindung von Informationen, die im Interesse der Allgemeinheit ohne Einschränkungen zur freien Nutzung zur Verfügung stehen, wird als linked open data bezeichnet. Das Prinzip basiert auf vier Punkten und wurde von Sir Timothy John Berners-Lee formuliert.

1) Verwende zur Bezeichnung von Objekten URIs (Uniform Resource Identifier): Die Bezeichnung der Ressource, z.B. „Augustus“, muss eindeutig sein und sich immer auf die gleiche Person beziehen.

2) Verwende http-URIs, so dass sich die Bezeichnungen nachschlagen lassen: Die Ressource muss als eigenständige Internetseite vorliegen und im World Wide Web abrufbar sein.

3) Stelle zweckdienliche Informationen bereit, wenn jemand eine URI nachschlägt: Es sollen weitere Informationen, in diesem Falle zur Person des Augustus, bereit gestellt werden. Im Datensatz des GND werden z.B. noch sein Geburts- und sein Todesdatum genannt.

4) Zu diesen Informationen gehören insbesondere Links auf andere URIs, über die weitere Objekte entdeckt werden können: Dies beinhaltet den Verweis auf andere Normdatensätze anderer Institutionen. (uw)

Den gesamten Artikel zur Fundmünzbearbeitung im NLD können sie hier kostenlos downloaden.

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