DIE ENTDECKUNG EINES SPÄTMITTELALTERLICHEN SCHATZFUNDES

vergraben & geborgen – Münzfund Börstel

Veröffentlichung des Schatzfundes von Karl Kennepohl.


Im März des Jahres 1940 kamen bei einem Scheunenbrand im Zisterzienserinnenstift Börstel (Landkreis Osnabrück) 16 Kühe ums Leben. Als man deren Kadaver in einem nahen Wäldchen verscharren wollte, stießen die Arbeiter zwischen den Wurzeln einer Buche auf zwei Tonkrüge aus Siegburger Keramik. In ihnen befanden sich mehr als 3.000 Münzen des westfälischen Währungsraums aus der Zeit um 1400. Ein Großteil davon waren Osnabrücker und Münsteraner Pfennige, aber es befanden sich auch Prägungen aus Paderborn, Minden, Herford und Bremen darunter. Der Fund machte in der regionalen Presse schnell die Runde und entsprechende Meldungen gelangten bis nach Hannover und Berlin. Beschrieben wurde der nur kurz nach seiner Entdeckung sichergestellte Fund von dem Osnabrücker Numismatiker Karl Kennepohl (Der Börsteler Münzfund, in: Blätter für Münzfreunde Nr. 7/8 (1940), 75 Jahrgang, S. 69-85). Danach aber geriet er schnell in Vergessenheit …

Münzen und Gefäß (Foto: Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück).

2016 tauchte bei archivischen Bewertungsarbeiten in der Altregistratur des Landkreises Osnabrück eine kleinere Münzsammlung auf, die vermutlich ursprünglich zum Münzkabinett des in den 1920er Jahren gegründeten Kreismuseums Bersenbrück gehört hatte und nun dem Kulturbüro zur weiteren Bearbeitung übergeben wurde. Unter den etwa 700 Münzen und Medaillen aus aller Welt befanden sich auch 201 mittelalterliche Stücke, die sorgfältig in Zigarettenkistchen und Münztütchen mit der Aufschrift „Fund Börstel“ aufbewahrt worden waren. Die Münzsammlung wurden daraufhin in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Osnabrück und dem Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Osnabrück von zwei studentischen Hilfskräften sortiert, beschrieben, bestimmt und katalogisiert.

Diese Katalogisierung diente als Ausgangspunkt für eine Bachelorarbeit, die sich noch einmal neu mit dem Fund von Börstel – dem historischen Kontext seiner Verbergung und Auffindung sowie seinem heutigen Verbleib – beschäftigte. Dabei kamen nicht nur neue Erkenntnisse zu den seinerzeit nicht näher dokumentierten Fundumständen zutage, es konnten auch der heutige Aufbewahrungsort eines Großteils der Gepräge geklärt und der genaue Fundort nahe dem Stift lokalisiert werden. Eine intensive Begehung des Geländes durch die Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück Ende 2019 / Anfang 2020 brachte dann weitere 13 Münzen ans Tageslicht.

Zisterzienserinnenkloster mit dem Museum im Kloster (Foto: U. Lewandowski).

80 Jahre nach seiner Entdeckung steht der Fund von Börstel nun im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die vom 02.07. bis zum 23.08.2020 im Museum im Kloster in Bersenbrück gezeigt wird. Die Ausstellungsgestalterinnen erzählen darin die spannende Geschichte seiner Entdeckung 1940 und Wiederentdeckung 2020. Außerdem geben Sie einen Einblick in das Leben im Zisterzienserinnenstift Börstel um 1400 und erläutern die Umstände, die einst zur Verbergung der Münzen geführt haben könnten. Anhand von Preiserwähnungen in den zeitgenössischen Osnabrücker Urkunden wird der Frage nachgegangen, welchen Wert der Schatzfund repräsentiert haben könnte und wer als ehemaliger Besitzer in Frage kommt. Videoinstallationen beschäftigen sich mit der Geldgeschichte des Spätmittelalters im westfälischen Raum und speziell mit den Prägungen der Osnabrücker Bischöfe. (st)

Die Ausstellung ist vom 2. Juli bis zum 23. August 2020 im Museum im Kloster, Stiftshof 4, 49593 Bersenbrück zu sehen.
Öffnungszeiten: Do, Fr und Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr.
Weitere Informationen: https://www.museum-im-kloster.de/.

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