SPOT IT! VIDEO-FÜHRUNGEN IM MUSEUM AUGUST KESTNER

YouTube-Kanal des MAK.

Das Museum August Kestner stellt besondere Objekte aus seiner umfangreichen Sammlung in Video-Führungen vor. Die Kuratorin des Münzkabinetts Simone Vogt führt durch die Ausstellung und erklärt die Exponate. Um den jeweiligen Film zu starten, klicken Sie den Titel vor der an.

Wenn Sie alle Videos anschauen wollen, so kommen Sie hier auf den YouTube-Kanal des Museums. Weitere Objekte aus der Sammlung werden im Portal museum-digital:niedersachsen vorgestellt.

Brakteaten – Original und Fälschung
Nicolaus Seeländer (ca. 1682 – 1744) war Kupferstecher in Hannover sowie Medailleur und Numismatiker. Ab 1716 war er für die königliche Hofbibliothek in Hannover als Kupferstecher tätig und fertigte unter anderem zahlreiche Stiche von Brakteaten an.

Wie er sein Wissen um diese Prägungen sonst noch einsetzte, erfahren Sie in diesem Video.
Links oben ist der originaler Brakteat und das wahrscheinliche Vorbild für die rechts davon dargestellte Fälschung zu sehen. Bei dem Original handelt es sich um einen Brakteaten Ottos IV. aus der Reichsmünzstätte Mühlhausen (1208-1214) (MAK Inv. 1924.88.). Seeländer tituliert das von ihm gefertigte Stück als Brakteat Leopold II. von Schönfeld, realer Erzbischof von Mainz (gest. 1217), vom dem aber keine Brakteaten bekannt sind. (sv)

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Das älteste Massenmedium der Geschichte
Gegenstand des Videos ist das Kleingeld aus dem römischen Reich des 4. Jahrhundert nach Christus. Unter Konstantin dem Großen wurden Münzen im gesamten römischen Reich, von Alexandria bis London, geprägt und fungierten so als erstes Medium für Kurznachrichten. Der hier vorgestellte Münztyp zeigt zwei Soldaten einander zugewandt, in der äußerer Hand halten sie je ein Speer, in innerer Hand je ein Schild; zwischen ihnen sind zwei Standarten dargestellt. Dieser Münztyp wurde in allen Prägestätten unter Konstantin dem Großen geschlagen.

Der Herstellungsort wurde dabei im rückseitigen Münzbild durch Buchstaben abgekürzt. Gestalterische Übereinstimmungen und stilistische Unterschiede können sehr gut an der Münzbildgestaltung beobachtet werden. Die Anordnung der Legende ist in allen Münzstätten gleich. Die Haare sind jedoch am östlichen Kaiserbildnis aus Antiochia im Vergleich zu dem Stück aus Siscia bewegter gearbeitet. Die Ausführung der Falten unterschiedet sich bei beiden Bildnissen in Anzahl und Verlauf.

CONSTANTINVS MAX AVG; Bekleidete, gepanzerte Büste des Konstantin mit Rosettendiadem n.r.
rechts: Siscia (Foto: MK Göttingen)
links: Antiochia (Foto: MK Göttingen).

Diese Unterschiede in den Detailausführungen begegnen auch auf den rückseitigen Bildmotiven. Jede der Münzstätten hat ihren eigenen Stil. Besonders deutlich wird dies in der Ausführung der Feldzeichen.

Reichsrömische Münzstätten im 4. Jahrhundert (Karte: U. Werz).

Wie erklären sich diese Übereinstimmungen? Zunächst wurde ein Bildnis des Herrschers von ihm selbst oder seiner engsten Umgebung konzipiert und von einem ausgewählten Künstler rundplastisch umgesetzt. Dabei wurde der Herrscher nicht so dargestellt, wie er aussah, sondern wie er gesehen werden wollte und wie es dem von ihm vertretenen politischen Konzept zukam. Von diesem Urbild wurden Kopien etwa in Gips angefertigt und im gesamten römischen Reich zu den einzelnen Bildhauerwerkstätten und den Prägestätten geschickt. Diese Bildnisse wurden dort für die Münzprägung sowie für rund- und reliefplastische Werke kopiert und dienten als Vorlage. Diese Kopien waren typengebunden, wurden sie doch vom selben Vorbild abgenommen. Die von Klaus Fittschen erstellte schematische Darstellung der Typengebundenheit römischer Kaiserporträts ist in dieser Form somit erst ab der Mitte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts gültig. Das rückseitige Münzbild wurde ebenfalls zentral konzipiert und wohl als Zeichnung an alle reichsrömischen Prägestätten verschickt. Dort dienten diese als Vorlage für die Münzstempel, wobei bei der Umsetzung die stilistischen Eigenheiten der verschiedenen Stempelschneider ebenfalls zum tragen kamen.

Unterschiedliche Ausführungen der Feldzeichen bei den Gloria-Exercitus-Prägungen. V.l.n.r.: Thessalonika (Foto: MK Göttingen), Siscia (Foto: MK Göttingen) und Arelate (Foto: MK Göttingen).

Verbreitung von rund- und reliefplastischen Bildnissen im römischen Reich nach K. Fittschen (Graphik: U. Werz).

Die Münze ist ein Massenprodukt und bestimmte Münztypen wurden millionenfach geschlagen. Je nach dem, wie viel Zeit für eine Emission vorgesehen war und wie groß deren Umfang sein sollte, mussten eine größere oder kleinere Anzahl an Münzstempeln hergestellt werden, wozu es einer Reihe von Stempelschneidern bedurfte. Deren handwerkliches Geschick und Begabung, die Vorlage umzusetzen, die Werkstatttradition, worunter der spezielle Stil der Prägestätte zu verstehen ist, in der sie stehen, und Freiheiten bei der Wiedergabe einzelner Bereiche, führten zu Unterschieden in der Darstellung. Je größer eine Emission ist und je mehr Münzstempel geschnitten werden mussten, desto größer ist natürlich auch die qualitative Bandbreite in der Umsetzung der Vorlage. (uw)

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Sogenannte „Fälscherförmchen“ aus einem Follis des Diokletianus (Foto: MAK).

Römisches Falschgeld – vom Tontöpfer zum Geldfälscher
“Ton zu Gold” mögen sich die frühen Geldfälscher um 400 nach Christus in Alexandria gedacht haben, als sie begannen Münzen in weichen Ton zu drücken um sich damit eine Vorlage für die eigene, illegale Münzherstellung zu schaffen. In den ausgehärteten Ton wurde flüssiges Metall gegossen, um auf diese Weise täuschend echte Duplikate herzustellen: Falschgeld.

Und wie das Münzfälschen in Serie geht wussten die antiken Ganoven auch schon. Wenn das der Kaiser Licinius erfährt.

Die Herstellung war im Grunde einfach:

Bärlapp (Foto: Wikiwand).

1) Abwechselnd werden Münzen und runde Tonformen zusammengedrückt und übereinander gestapelt. Möglicherweise wurde hierzu auch eine Röhre benutzt, in welche die Tonscheiben mit einem Brett ein- und danach mit einem Rundholz niedergedrückt wurden. Abschließend wurde die Röhre nach oben entfernt. Als Trennmittel für die einzelnen Scheiben und die Münzen in ihnen wurde etwa der Samen des Bärlapp verwendet.

Abformung der Münzen (Graphik: U. Werz).

2) Nach einer Zeit der Trocknung wurden die Münzen wieder entnommen. Bei der erneuten Zusammensetzung wurde gelegentlich die Reihenfolge der Scheiben verändert und zwei Scheiben wurden übereinander gestapelt, deren Münzbilder ursprünglich nicht zusammengehörten. Daher finden sich bei den Nachgüssen immer wieder Vorder- und Rückseitenkombinationen, die bei den Vorlagen nicht begegnen. Danach wurden die Tonformen außen bis zur Hohlform angekerbt und kleeblattförmig zu drei Säulen zusammengestellt. Der sternförmige Zwischenraum dient als Gusskanal.

Zusammenstellung der Förmchen (Graphik: U. Werz).

3) Die Formen werden mit Ton ummantelt und oben mit einer Öffnung zum Eingießen des Metalls versehen. Derartige Säulen konnten aus rund 60 einzelnen Scheiben bestehen. Im letzten Arbeitsgang vor dem Guss wird die Form gebrannt.

Ummantelung der Förmchen (Graphik: U. Werz).

4) Ausgegossen wurden die Formen nicht mit Silber, sondern mit Kupfer, dem rund 30% Zinn beigemischt war. Durch den hohen Zinnanteil sind die Stücke „silbrig“ glänzend und entsprechen optisch weitgehend den Vorbildern. Allerdings ist das Material sehr spröde und bricht leicht. Nach dem Erkalten wurden die Formen zerschlagen und die gegossenen Münzen herausgenommen. Abschließend wurden die Münzen vom Gussbaum getrennt und die Gussränder entfernt.

Guss und Gussbaum (Graphik: U. Werz).

(uw)

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